MITSCHRIFTEN

Die Ortskenntnis des langjährigen Heimatführers

Friedel Rose ist legendär.

Hier finden Sie ausgewählte Berichte und Anekdoten.

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MITSCHRIFTEN

Die Ortskenntnis des langjährigen Heimatführers Friedel Rose ist legendär. Hier finden Sie ausgewählte Berichte und Anekdoten.

Freckenhorster Erinnerungen

Der Stiftshof Dühlmann ist seit über 250 Jahren im Familienbesitz, eine traditionsreiche Gaststätte. Als der Stiftshof um 1957 in seine heutigen Form umgebaut wurde, machte Kaplan Rüster den Vorschlag, man solle doch die neue Gaststätte „Stiftshof“ nennen. Der Name löste dann die vorherigen  Bezeichnungen Dühlmann oder noch früher Thiers ab. Der Name Thiers kam nicht von dem damals ausgeschenkten Thier-Pils, sondern die Besitzer hießen so. In die Familie hat sich dann irgendwann ein Dühlmann eingeheiratet.

Da wo heute der Parkplatz ist, war früher eine Wiese. Auf ihr konnten Freckenhorster Bürger, die keinen eigenen Garten hatten, ihre Wäsche, trocknen und bleichen. Dazu waren Wäscheleinen aufgebaut. Zum Bleichen breitete man die Wäsche auf dem Grasboden aus, so dass sie von der Sonne gebleicht, heller wurde. Eine Treppe zum Brüggenbach ermöglichte das Spülen der Wäsche. Eine weitere Bleichstelle war an der Kleistraße, dort war einen lange Drahtleine zum Aufhängen der Wäsche. Nach dem Krieg hat auf dem Platz die Familie Schier gewohnt. Sie bewohnten eine Art Holzhaus, auf jeden Fall etwas Besseres als eine Baracke.

Das Haus Stiftsbleiche 3 war früher die Küsterei. Früher wohnte da der alte Küster Weber und danach der Küster Hahner. Neben der Tätigkeit als Küster führten beide ein Devotionaliengeschäft mit frommen Artikeln, Kerzen usw.. Küster Hahner, der Gründer der Freckenhorster Kinderchores, erweiterte das Sortiment noch um Schul- hefte, -bücher und -materialen. Zuletzt erwarb der Organist und Chorleiter Bernhard Enk das Gebäude, dessen Frau dort heute noch wohnt.

Gasthöfe und Kneipen in Freckenhorst

Interessant war die Situation der Gasthöfe in der Innenstadt. 3 Gasthöfe auf einem kleinen Kreis stießen mit ihren Grundstücken von hinten aneinander. Das waren Dühlmann (Westkirchener Straße), Krass-Kintrup (Markt) und Schmiehausen (Warendorfer Straße), die alle neben dem Gasthof auch eine Bäckerei betrieben.

Insgesamt hatte Freckenhorst zeitweilig etwa 18 Kneipen:

Westkirchener Straße: Hanskötter, Richter, Dühlmann (mit Bäckerei und Saal)
Hoetmarer Straße: Venneker, Huesmann (mit Saalbetrieb und Brennerei – Spezialität: „Braken“), Dufhues, Hörstkamp, Eimer
Marktplatz: Krass-Kintrup (mit Bäckerei und Kegelbahn), Hombring, Lüdgehaus
Warendorfer Straße: Schmiehausen (mit Cafe und Tanzsaal), Höckesfeld, Uhlenbrock, Heuer, Bahnhof

Gaststätte Heuer

Im Gebäudekomplex Heuer befanden sich früher die Gaststätte Heuer mit Saalbetrieb und die Metzgerei Gerdheinrich. Neben dem Gebäude befand sich die Freckenhorster Viehwaage, auf der das gesamte gekaufte bzw. verkaufte Vieh in Freckenhorst gewogen wurde. Im Saal der Gaststätte wurde der Schützenball gefeiert. Über Tag feierten die Schützen auf dem Bauernhof Hermes, wo noch heute ein Schützenbild an einer Wand in der Scheune zu sehen ist. 1945 brannte die Gaststätte ab. Vermutlich war der Brand durch Unachtsamkeit der Besatzungssoldaten ausgelöst worden. Erinnerung F. Rose:  „Da lief das Feuer an den Stromdrähten lang“. Damals verliefen die Stromleitungen in Freckenhorst noch oberirdisch, die Kabel waren isoliert. Das Feuer „lief“ an den Leitungen entlang.

Für den Schützenball wurde hinter dem noch stehenden Giebel ein Festzelt aufgebaut.

Er hat keine Quelle und speiste früher die Gräfte am Schloss. Das Wasser wurde früher zum Bierbrauen gebraucht. Bei der Gaststätte Dühlmann war eine Wasch- und Bleichstelle.Er diente aber auch als Abwasserkanal, da es noch keine Kanalisation gab.
Der Bach wird jetzt im Bereich des Kreuzklosters auf 650 m Länge und bis zu 30 m Breite renaturiert, bekommt durch die Baumaßnahmen die Gelegenheit, aus dem engen vorgegebenen Bett auszubrechen und sich wieder einen eigenen, mäandrierenden Weg zu suchen und sich so naturnah zu entwickeln.

Die Westkirchener Straße hieß früher Barkstraße, genannt nach dem Rittergut von Barkhove. Das Gut befand sich etwa an der Stelle, an der heute das Haus der Familie Gruhn steht. Freckenhorst hatte fünf Rittergüter, die dem Schutz des Stiftes dienten, die von Barkhove, die von Fernhofe und die von Wiengarten. Das waren Adelsfamilien, die ihre Rittersitze hier hatten. Franz Beuning erzählte früher oft die Anekdote: „Anne Westkirchenske Stroate gaft et jeden Oabend Kartuffelpannekoken, aber bloß an de eene Siete.  Ja wieso dat denn? Ja, auf de annere Siete stonnen gar kiene Hüüser.“ Der Grund lag darin, dass hier das Rittergut war, und auf der anderen Straßenseite die Häuser der Bürger. An der Westkirchener Straße gab es früher drei Kneipen. Neben dem Stiftshof gab es Hanskötter und schräg gegenüber Richter mit einem Ausschank. An der Westkirchener Straße wohnte auch der Baron de Hesker, ein Ururgroßvater der jetzigen Familie Hesker.  Er war von Napoleon geadelt, weil er eine französische Fahne beim Übergang über die Beresina 1842 gerettet hatte.  Den Titel behielt er, solange er lebte, er war aber nicht vererbbar. Mit dem Titel war eine lebenslange Rente verbunden. Der Baron de Hesker soll sehr alt geworden sein.

Nahe des Eingangs zum Pfarrheims befand sich früher die Tischlerei und Möbelwerkstatt Tipkemper.  F. Rose:Und die beschäftigten auch eine ganze Menge Leute, vor allen Dingen waren viele Nüßings da beschäftigt.“

Bei Tipkemper stand einer der 10 Fabrikschornsteine von Freckenhorst. Weitere standen bei Zurwieden, Tacke, Huesmann, Brinkhaus, Molkerei, Schulze-Walgern hatte  zwei und Kreimer. Heute stehen davon noch3, die aber nicht mehr in Gebrauch sind.

Die offizielle Bezeichnung unserer Stadt war früher Wiegbold Freckenhorst. Ein Wiegbold war ein Gebilde zwischen Dorf und Stadt mit erweiterten Rechten. Seit 1912 war Freckenhorst eine Titularstadt, also eine Stadt ohne Stadtrechte. Sie durfte nur den Titel Stadt führen und ein eigenes Wappen haben.  Im Gegensatz zu kleineren Dörfern durfte zwei Mal im Jahr eine Kirmes, also ein Jahrmarkt, abgehalten werden. Freckenhorst hatte früher 3 Bürgermeister: Freckenhorst-Stadt, Freckenhorst-Kirchspiel, also die Bauernschaften, und es gab noch einen Amtsbürgermeister. Hoetmar als eigene politische Gemeinde, hatte einen Gemeindebürgermeister, die Verwaltung allerdings war in Freckenhorst. Auch Everswinkel wurde früher mal von Freckenhorst aus verwaltet.

1975 gab es die kommunale Neugliederung für Freckenhorst, es war keine Eingemeindung, sondern es wurde eine neue Stadt gegründet mit dem Namen Warendorf. Die Städte Warendorf und Freckenhorst hörten auf zu existieren und bildeten gemeinsam eine neue Stadt mit dem Namen Warendorf. Erinnerung von Friedel Rose der damals im Stadtrat war: „Ich weiß noch, ich war da ja auch in dem ersten gemeinsamen Rat, da war Dr. Kluck Bürgermeister und der sagte: Das ist doch gut ist ja alles wunderbar gelaufen. Und wie der Ort letzten Endes heißt ist doch egal. Ja sag ich, wenn euch das egal ist, dann lasst uns ihn doch Freckenhorst nennen. Das war dann aber auch nicht richtig.“

Freckenhorst hat eine reichhaltige und große Geschichte. Es ist eine der ältesten Ortschaften des Münsterlandes. Manch einer  fragt sich sicherlich, wie in so einer verlassenen Gegend ein Kloster entstehen konnte. In Freckenhorst trafen sich 2 mittelalterliche Handelsstraßen. Die eine führte von Frankfurt über Dortmund, die andere mehr aus dem südöstlichen Raum, aus der Gegend von Würzburg, Bamberg. Hier trafen sie zusammen. Man kann es noch heute daran erkennen, dass wir einmal die Straße nach Ahlen haben, die Hoetmarer Straße,  und die Straße nach Westkirchen. Früher gab es von Westkirchen aus keine direkte Verbindung nach Warendorf, sondern man musste über Freckenhorst. Die B 475 zwischen Westkirchen und Warendorf, die ist erst in den 50iger, 60iger Jahren ausgebaut worden.

An der Stelle, wo jetzt die Sparkasse steht, war zur Zeit der Nazi-Herrschaft das HJ-Heim, das Jugendheim für die Hitlerjugend. Nach dem Krieg wurde dort die erste evangelische Schule eingerichtet. Die Schülerinnen und Schüler waren in einer Klasse untergebracht. Friedel Rose:Ich weiß noch, wir haben dort oben drin gewohnt, und dann kamen direkt nach der Flucht Schulkinder, die keine Schuhe hatten. Die kamen auf dicken Schafswollstrümpfen, das erscheint heute gar nicht mehr vorstellbar.“ Der erste Lehrer dieser Schule hieß Taraba, dann kam der in Freckenhorst sehr bekannte Lehrer Paul Löwe. Auch ein Lehrer Stockmann ist noch bekannt. Dieter Mevert unterrichtete erst, als die evangelische Schule an der Warendorfer Straße untergebracht war.

Kirche und Umgebung

1851 sollte die 1000 Jahr-Feier des Klosters begangen werden. Da die Neugestaltung der Krypta aber bis dahin nicht fertig wurde, wurde die Feier mit Genehmigung des Papstes um ein Jahr auf 1852 verschoben. Eine Gedenktafel hinten in der Kirche erinnert daran. Der vom Papst anlässlich der Feier gewährte vollkommene Ablass wurde ebenfalls auf das Jahr 1882 verschoben.

Er hat den neuen Flügel an das damalige Freckenhorster Krankenhaus und das Schwesternhaus gebaut. Er hat in der Zeit weit mehr Gebäude gebaut als die Gemeinde an öffentlichen Bauwerken. Trotz der regen Bautätigkeit hat er die Seelsorge nicht vernachlässigt. Er hat sich sehr intensiv um seine Gemeinde gekümmert. Er war noch ein echter Pastor. Bis zu seinem Tod 1986 lebte er erst in Harsewinkel und dann zuletzt im Dechaneihof St. Marien. Er ist auf dem neuen Friedhof begraben, dessen Gründung er maßgeblich beeinflusst hat.

Im Tabernakelturm vor dem nördlichen Querschiff ist jetzt das Freckenhorster Kreuz untergebracht. Eine Kreuzverehrung bestand seit der Klostergründung. Eine Kreuzreliquie wird 1312 erwähnt, seit 1350 bestand eine Kreuzbruderschaft.

Um das Kreuz ranken sich viele Legenden. Ein Verlust wurde 1556 festgestellt, möglicherweise bedingt durch die reformatorischen Veränderungen in dieser Zeit. Bernhard von der Lippe, der Gründer der Stadt Lippstadt, soll sich das Kreuz von seiner Schwester oder vielleicht auch Tochter, die hier im Stift Äbtissin war, ausgeliehen haben. Er kämpfte auf Seiten Heinrichs des Löwen unter anderen auch gegen den Erzbischof von Köln und erhoffte sich durch die Mitnahme des Kreuzes Glück und Erfolg. Später wollte er vermutlich das Kreuz nicht mehr zurückgeben, so dass es verschwand.

Eine andere Legende sagt, dass ein gewisser Ledwick beauftragt wurde, das Kreuz aus dem Baltikum zurück nach Freckenhorst zu bringen und zwar in die Bauernschaft Gronhorst. Dort beim Hof Schulze-Wartenhorst steht ein Bildstock mit dem Freckenhorster Kreuz, der daran erinnern soll.

1743 bekam das Stift eine neue Kreuzpartikel aus Rom. Diese ist Im Fuß, in der kleinen Kapsel mit dem roten Hintergrund, eingelassen. Seit 1940 ist das Kreuz mit 33 Edelsteinen geschmückt, die an die 33 Lebensjahre Jesu erinnern sollen, auf der Vorderseite Halbedelsteine, auf der Rückseite echte Steine.

Im Gebäude der Hanxledenschen Kurie war früher die Klausur für die Schwestern des Klosters. Nach der Auflösung des Stiftes wurde das Gebäude als Exerzitien-Haus genutzt. Als dieses zu klein wurde, wurde das Kloster an der Hoetmarer Straße gebaut. Dieses wurde von den Franziskanerinnen übernommen, die dort eine staatlich anerkannte Hauswirtschaftsschule für höhere Töchter betrieben.

1882 wurde von Pfarrverwalter Dr. Sprickmann-Kerkering eine Winterschule für Bauern eingerichtet. Wegen des großen Zuspruchs wurde 1902-1904 ein dreistöckiger Neubau zwischen der zunächst genutzten Hanxledenschen Kurie von 1671 und der Böselagerschen Kurie errichtet. Die Winterschule wurde 1934 durch die Nazis geschlossen, und die Schule wurde nach Warendorf verlegt. Hier vor Ort hatten allerdings die Landwirtssöhne noch ihre Zimmer. Dass sich in Freckenhorst nach Kriegsende viele Menschen aus dem Osten Deutschlands ansiedelten, liegt sicherlich auch daran, dass ihnen Freckenhorst durch den Winterschulbetrieb bestens bekannt war.

Kunstgeschichtlich bedeutend die Grabplatte der Geva, eine der ausdrucksstärksten und eigentümlichsten Grabfiguren des Mittelalters.

An ihr ist der Wendepunkt der mittelalterlichen Kunst erkennbar, von strenger Stilisierung zu einer neuen, naturalistischen Formgebung, mit einer vollplastischen weiblichen Gestalt, vermutlich um 1200 geschaffen mit der Inschrift:

„Geva … Fundatrix Huius Templi“ = Geva, die Gründerin dieser Kirche – Gemahlin des Gründers oder eine Äbtissin.

Historisch außerordentlich bedeutsam die Inschrift in mittelniederdeutscher Sprache am Vorderrand:

„Ai Got Minne Gerboden de dit Bilethe scop alle dele“ – Oh Gott, liebe doch den Gerbot, der dieses Bild schuf in allen Teilen.

Ein Abguss von diesem Denkmal befindet sich im Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin

Im Glockenturm befindet ein eichener Glockenstuhl, der bis oben zum Dach reicht. Er ist 1684 von einem Beckumer Zimmermeister Stefan Hölscher eingebracht worden. Er steht frei im Raum, weil sich im Laufe der Jahrhunderte die Wände schon geneigt hatten. In vielen anderen Kirchen hat man T-Eisen-Konstruktionen als Glockenstühle eingebaut, hier haben wir noch den eichenen Glockenstuhl, der  eine große Last zu tragen hat.  Freckenhorst hat mit seinen 12 Glocken das größte Geläut in Nordrhein-Westfalen, somit mehr als der Kölner Dom. Vom Gewicht her ist der Kölner Dom allerdings deutlich überlegen, denn die große Glocke, der Dicke Pit genannt, wiegt alleine schon 25 Tonnen.

Die große Anzahl der Glocken liegt darin, dass auch Freckenhorst während des  2. Weltkrieges die Glocken abliefern musste, um sie für Kriegszwecke einzuschmelzen.

  1. Rose: „Wir hatten ja damals einen Dechanten -Prälat Birkenfeld -, der hatte einen Glockentick, er war immer am Läuten. Er hieß in Freckenhorst auch „Glocken-Bähnd“ (sein Vorname war Bernhard). Und dann war hier auch ein Glockenspiel im Kirchturm. Da spielte man morgens: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Die Leute sangen dann immer: „Wie leuchtet schön der Herr Prälat“, so ging das. Und abends  gab es: „Seht, wie die Sonne dort sinket“, das weiß ich noch.

Prälat Birkenfeld  ließ nach dem Krieg 7 neue Glocken gießen, die 1946-47 in Brilon gegossen wurden.

  1. Rose: „Ich erinnere mich, dass an Nikolaus, am 5. Dezember 1947 dann die neuen Glocken ankamen. Da war vor der Kirche ein Gerüst aufgebaut, und daran wurden die Glocken hochgezogen. Da durfte dann jeder (v.a. die Kinder) mit einem Hammer mal draufhauen. Ein Kind haute genau auf die Inschrift, und sofort bekam es von Prälat Birkenfeld einen Schlag in den Nacken: „Schafskopf!“ Der machte so etwas immer direkt, dann war dann alles wieder erledigt.“

 

Als die neuen Glocken  schon in Freckenhorst waren, kam aus Hamburg die Nachricht, dass die 5 historischen Freckenhorster Glocken nicht der Schmelze zum Opfer gefallen waren.   Dies waren die ältesten Glocken, die von 1482 und die andere von etwa 1530.  Daneben noch  3 größere, von 1646, die  von der Äbtissin Claudia Seraphia von Wolkenstein und Rodeneck gestiftet worden waren.

Diese Glocken hatten sich damals die Sendenhorster geholt, und sie wurden auch von den Sendenhorstern beansprucht.  Der damalige Bischof von Münster, von Galen, beschied aber, dass die Glocken nach Freckenhorst gehörten. Auf allen 3 Glocken ist auch der Name Freckenhorst erwähnt.

Prälat Birkenfeld, der 1939 nach Freckenhorst kam,  war bei den Freckenhorstern sehr beliebt. Zur Zeit der spanischen Revolution war er in Spanien als Hausgeistlicher in einem Adelshaus tätig. Dort lernte er  den späteren Kardinal Tedeschini kennen, der dort als päpstlichen Nuntius war. Ob der ihm dann dazu verholfen hat, dass er päpstlicher Hausprälat wurde, ist nicht bekannt. Äußerlich ähnelte Prälat Birkenfeld einem Bischof: violette Kleidung, aber ohne Kreuz und Mitra. 1949 wurde er nach Vinnenberg versetzt. Hohen Einsatz für unsere Kirche zeigte er bei der Ausmalung der Kirche und beim Wiedereinsetzen der Glocken. F. Rose: „Die Glocken mussten die Bürger stiften, Familien oder Ehepaare, die keine Kinder hatten, dann auch die Bauerschaften – überall hat er Stifter herangezogen.“

Zur 1100-Jahrfeier, die 1951 gefeiert werden sollte, wurde der Vorplatz der Kirche eingeebnet und verändert. Die Planungen dazu hatte Professor Wolf aus Münster gemacht. Damals war der Belag des Platzes aus denselben, aufrecht verlegten Steinen, aus denen auch die Kirche erbaut worden ist.  Entfernt wurde auch der sogenannte Kalvarienberg mit einem Kreuz, das jetzt an der Wand der Petri-Kapelle hängt und zwei Grabplatten, unter denen zwei der Dechanten beerdigt worden waren. Die Grabplatten sind heute auf dem anderen Friedhof. Bei diesen Bauarbeiten hat man auch den Brunnen an der Petri Kapelle wiederentdeckt.

Bis etwa 1830 war der Friedhof hier an der Kirche. Dann wurde er aufgegeben und zur Westernfelder-Straße verlegt. Als nach dem Krieg die Besatzungsmächte in Freckenhorst lagen, stellte der damalige Dechant, Prälat Birkenfeld, hier überall Kreuze auf. Die Soldaten achteten die Kreuze und fuhren mit ihren Fahrzeugen nicht auf den Rasen. Er stellte auch ein Grabkreuz für Dechant Wessing auf, obschon er gar nicht hier beerdigt war, da er im KZ gestorben war. Prälat Birkenfeld war sehr empfindlich, wenn es um seinen Rasen ging. F. Rose:Ich habe einmal gesehen, dass Nönnekes mit dem Auto kamen und so nah an den Rasen fuhren, dass sie beim Aussteigen auf den Rasen treten mussten. Da ist er aber sofort eingeschritten, obwohl die eben nur kurz draufgetreten waren.“

Erinnerung Gottfried Hölscher: Am Kirchplatz war in den 60iger Jahren ein beliebter Treffpunkt für die Kinder. Der Weg war noch nicht gepflastert, das Eisengitter lief noch am ganzen Weg entlang. Überall waren hier Knickerlöcher, die mit der Hacke in den Boden gemacht wurden. Geknickert wurde mit Glaskugeln, selten auch Tonkugeln, die bei Hahner an der Stiftsbleiche gekauft werden konnten. Es gab sie aber auch bei Bröckelmann an der Warendorfer Straße und bei Unland an der Everswinkeler Straße. Entsprechend ihre Größe gab es Ürmel mit dem Wert 1/8tel, Viertel, Halbe, Ganze und die dicken Balams. Eingesetzt wurden je Spieler immer gleiche Wertigkeiten. Gespielt werden konnte mit zwei Spielern, aber auch mit mehreren. Die Kugeln wurden um den „Pott“ geworfen und nach und nach in den Pott geknickert. Die letzte Kugel entschied, wer alles bekam.

Es stellt sich die Frage, wie sich hier mitten im „Niemandsland“ ein Kloster hat gründen können. In Freckenhorst kamen zwei in der damaligen Zeit bedeutende Handelsstraßen zusammen. Eine kam von Frankfurt her, die andere weiter aus dem Südosten, und von hier aus ging es dann weiter über Osnabrück, Bremen bis nach Lübeck.

Als erstes wurde hier, von Köln aus angewiesen, eine Missionskirche gebaut, die schon an der Stelle der heutigen Kirche stand. Eine auf den 24. Dezember 851 datierte Urkunde legt die Gründung des Klosters auf das Fest Adam und Eva, heute Heiliger Abend, fest. Sie war allerdings, wie Historiker feststellen konnten, eine Fälschung (Äbtissin Gertrud von Korff zu Sutthausen, 1714). Die Gründung des Kosters durch den Edelherrn Everword und seine Frau Geva wird nach heutigem Stand auf spätestens 854, also 3 Jahre später datiert.

Everword, aus dem bedeutenden Adelsgeschlecht der Egbertiner stammend,  und seine Frau Geva waren ein kinderloses adeliges Ehepaar mit großen Besitztümern. Als erste Äbtissin setzten sie ihre Nichte Thiatildis ein, die heute als Heilige in Freckenhorst verehrt wird.  Everword selber trat vor seinem Tod in das Kloster in Fulda ein. Seinen Besitz vermachte er den Klöstern in Fulda und Freckenhorst, wobei der größere Teil, etwa 300 Bauernhöfe, an Freckenhorst ging. Der Besitz erstreckte sich von der holländischen Grenze, bis zum Teutoburger Wald und im Süden bis zur Lippe. Die Besitztümer südlich der Lippe gingen an das Kloster in Fulda.

Der Konvent der Stiftsdamen lebte anfangs nach den Aachener Synodalbeschlüssen von 816/817, dann nach einer freieren Kanonissenregel. Um 1240 wurde die Augustinerregel eingerichtet.

1495 wurde das Kloster in ein freiweltliches Damenstift umgewandelt, welches allerdings nur adeligen Damen vorbehalten war. Dabei wurden die Gelübde von Keuschheit und Armut aufgehoben, es galt noch der Gehorsam gegenüber der Äbtissin. Die Stiftsdamen behielten beim Verlassen der Gemeinschaft ihren Besitz.

Die Äbtissin des „hochadeligen freiweltlichen kaiserlichen Damenstiftes zu Freckenhorst“ musste bis zum späten Mittelalter aus dem Hochadel stammen. Sie hatte besondere Rechte und sie wurde immer anders behandelt als die normalen Stiftsdamen. Sie hatte unter anderem die Jurisdiktion über das Kirchspiel Freckenhorst und setzte dafür Beamte ein, die dann auch gerichtlich urteilten. Auf dem Gebiet des Klosters und der Kirche hatte sie die Stiftsfreiheit. Jeder auf diesem Gelände stand unter ihrem besonderen Schutz, und keine andere weltliche Macht konnte ihre Souveränität einschränken. So konnte sie auch gegen den Willen des Bischofs von Münster Pfarrstellen besetzen, was z. B. von Vellern bei Beckum überliefert ist.

Ihre Macht zeigte sie auch durch das Tragen eines Stabes, der dem eines Bischofs ähnelte. Einige Äbtissinnen haben auch Mitren getragen.

Der einzige Teil, der von den alten Klostergebäuden übergeblieben ist, ist der alte Kreuzgang. Rundherum wohnten später die Stiftsdamen in den Häusern, die darüber gebaut waren.

Annette von Droste-Hülshoff war häufig hier zu Gast, weil eine Tante von ihr auch Stiftsdame in Freckenhorst war. Ihre Mutter war auch, vor ihrer Ehe, Stiftsdame in Freckenhorst gewesen.

Die Vituskapelle, die hier stand, ist etwa 1830 eingestürzt.

Zu der Zeit ist auch das Kapitelshaus eingestürzt. Das stand dort, wo jetzt die Sakristei ist. Es wird berichtet, das hätte so einen Krach gemacht, dass man es in Warendorf hätte hören können – aber das ist sicherlich übertrieben.

Der Kreuzweg, unschwer zu erkennen, ist auch ein Werk von Bücker. Wenn man an der Wand entlang sieht, sieht man, dass sie schräg ist. Sie wurde durch das Gewölbe weggedrückt. Die Restaurierungsarbeiten 1955-1963 hat man von außen begonnen. Man hat die Mauer mit Beton unterfangen und hat auch in die Wände Betonpfeiler eingesetzt, von denen einer noch sichtbar ist. Man wusste da noch nicht, dass in der Wand schmückende Arkaden waren, da diese zugemauert waren.

Die dreischiffige Krypta unterfängt den Chorraum. Sie entstand in zwei Bauabschnitten. Der erste im Westbereich mit Tonnengewölbe und Stichkappen wurde um 1080 abgeschlossen, der etwas schmalere östlich mit Kreuzgratgewölben entstand mit der Chorerweiterung Ende des 12. Jahrhunderts. An der Grenze bilden kreuzförmige Pfeiler die Gewölbestützen. Zwei Würfelknaufsäulen mit attischen Basen (Fuß) und Eckkolben sind alt, aus der Erbauerzeit.

Die Krypta wurde vor 1850 zweckentfremdet, diente zeitweilig als Bierkeller und Heulager, war zuletzt mit Schutt aufgefüllt, die Pfeiler waren ausgefallen und mit mächtigen Mauersäulen ersetzt. Als am 16.05.1850 Bischof Johann Georg zur Firmung in Freckenhorst war, wurde beschlossen, sie zur 1000 Jahrfeier wieder in Stand zu setzen. Neue Pfeiler für die Mauersäulenkamen von Meyer zu Havixbeck, diese Säulen waren allerdings zu lang. Bei der Kirchenrestaurierung 1957-1962 gestaltete Heinz Gerhard Bücker ein Fenster mit dem Kreuz als Lebensbaum. Der Altar ist blockhaft mit Kreuzsymbol und einer Kreuzstele aus Basalt. Sie beinhaltete anfangs das Freckenhorster Kreuz. Hinter dem später geschaffenen vergoldeten Relief liegen die Reliquien des Hauptaltares (Märtyrer Bonifatius (nicht der Kirchenpatron) und Maximus, Bekenner Aeonius und Antonius, legendenhaft auch Staub von den Füßen Jesu, als er in den Himmel aufgefahren ist.

Rechts oben im Chor befindet sich das Oratorium der Äbtissin, die Gebetsloge, in der die Äbtissin am Gottesdienst teilnahm. Früher war dort ein großer Bogen, der bei der letzten großen Restaurierung von 1955 bis 1963 auf die 3 kleinen Fenster verkleinert wurde. Der Zugang in die Loge ist über eine Treppe von außen zu erreichen. Heute ist das die Grafenloge, weil der Graf der Rechtsnachfolger im Schloss, der ehemaligen Abtei, ist.

Die Petri-Kapelle galt lange Zeit als das älteste Gotteshaus von Freckenhorst. Sie hatte früher einen ganz besonderen Rang. Bei der Einführung einer neuen Äbtissin wurde diese hier erst in ihre liturgischen Gewänder eingekleidet und zog dann in die Stiftskirche ein. Später geriet die Kapelle immer mehr in Vergessenheit. Sie hat als Übungsraum für den Kirchenchor gedient, auch die Bücherei war hier zeitweise untergebracht. Nach dem Krieg hat sie der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus gedient. Während vor dem Krieg Freckenhorst bis auf drei Familien katholisch war, waren die nun kommenden Vertriebenen zum großen Teil evangelisch. In Ermangelung eines eigenen Gotteshauses nutzten sie die Petri-Kapelle bis zur Fertigstellung der Pauluskirche 1952. Der erste evangelische Pastor Spiekermann wurde allerdings in der Stiftskirche in sein Amt eingeführt, da die Menge der Gläubigen,  die zu der Feier nach Freckenhorst gekommen waren, für die Paulus-Kirche viel zu groß war. Zur damaligen Zeit war das eine richtige Sensation, es zeigte aber auch, dass das Verhältnis zwischen den beiden Gemeinden sich schnell gut entwickelt hat.

Das Fenster über dem Eingang wurde als einziges bei der Renovierung nicht erneuert. Walter Schüller berichtet, dass einmal Theo Schulz von der Eisengießerei Schulz ihn fragte, ob er das denn nicht so wie die übrigen Fenster gießen solle. So wurde das Fenster erneuert. Der Künstler Bücker bemerkte es bei einem seiner Besuche und kommentierte das: „Das ist nicht nobel“.

Aus Anlass der 1150 Jahrfeier hat man 2001 die Stiftskammer in der Petri-Kapelle eingerichtet. Es gab bis dahin keine vernünftige Unterbringungsmöglichkeit für die zahlreichen, wertvollen und empfindlichen Kunstschätze der Stiftskirche. Sie waren an verschiedenen Stellen aufbewahrt, unter anderen z.B. auf dem Dachboden des Dechaneihofes, so dass auch der Überblick verloren ging. Auch die Petri-Kapelle bietet nur für einen kleinen Teil der Schätze Platz. Die heutige kleine Schatzkammer ist neben der Domschatzkammer in Münster die bedeutendste Sammlung von kirchlichen Kunstschätzen im ganzen Münsterland. Die wertvollen liturgischen Paramente kann man hier allerdings nicht unterbringen.

Es hat auch schon einen Entwurf für eine neue Schatzkammer neben der Sakristei zum Schlosshof hin gegeben. aber aus Geldmangel konnte das nicht verwirklicht werden. F. Rose: „Ist aber gut, dass das nichts geworden ist, das sah aus wie eine Ladenpassage, alles mit so großen Scheiben.

Einzelne Ausstellungsstücke

  • Den Kopf des Kaisers Lothar III. von Supplingenburg, hat man bei Abbrucharbeiten der alten Sakristei gefunden. Es lässt sich nicht mehr feststellen, ob er mal Patronatsherr der Stiftskirche war. Nach Meinung der Experten hat ihn der gleiche Künstler geschaffen, der auch den Taufstein geschaffen hat.
  • So Der Königskopf:
    Man kann ihn zeitlich auf die Zeit etwa 1125 bis 1130, einordnen, vermutlich ein Abbild Kaiser Lothars III. von Süpplingenburg
    Erkennbar ist das oben an dem Reif, an der Krone
  • Das Andachtskreuz

ist ein Eichenkreuz, das mit Perlmuttplättchen besetzt ist. Es wurde 1620 oder 1640 geschaffen. Es wurde z. B. bei Kreuzwegandachten eingesetzt. Die 14 Kreuzwegstationen sind durch 14 kleine Löcher, die man OCULI, Äugelchen nennt, gekennzeichnet. Die Oculi haben jeweils eine Umschrift, zum einen lateinische Zahlen von 1 bis 14 und jeweils die Buchstaben STO, eine Abkürzung für Statio, Station. An den Kreuzarmen sind die Bilder der vier Evangelisten und unten befindet sich noch ein Schutzengel.  Das Kreuz hat früher zeitweise auf dem Hochaltar gestanden. Ganz unten ist ein Franziskanerpater darauf abgebildet, weil die Franziskaner sich sehr um das Heilige Land verdient gemacht haben. Auch heute ist es noch so, dass ein neuer Kreuzweg von einem Bischof oder einem Franziskaner, die wohl ein Sonderrecht darauf haben, geweiht wird. Dieses Recht haben sie wohl für ihren besonderen Einsatz im hl. Land bekommen.- Außerdem ist noch die Gottesmutter zu sehen, die von einem Schwert durchdrungen wird als Zeichen ihres Schmerzes.

  • Die zwei Leuchter sind eine Düsseldorfer Silberschmiedearbeit. Sie stammen vom Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen. Dieser ließ sehr oft in Düsseldorf Silberschmiedearbeiten ausführen, und somit hat Freckenhorst den größten Schatz an Düsseldorfer Silber außer Düsseldorf selbst.
  • Die Kanon-Tafeln gehören zu der Garnitur, zu der auch das große Kreuz und die 6 Leuchter gehören. Bei besonders festlichen Anlässen wurden sie auf den Altar gestellt. Es sind Geschenke der Äbtissin Gertrud von Korff-Sutthausen, die auch das Epitaph im Chorraum der Kirche stiftete.
  • Die beiden Löwenkopf-Türringe befanden sich früher wahrscheinlich am Hauptportal des Vorgängerbaus der Kirche. Die Inschrift lautet frei übersetzt: Das Volk, dass durch diese Tür um zu beten eingeht möge Christus der König der Könige fähig machen, auch einst durch die Himmelstür einzugehen. Bernadus me fecit, Bernhard hat mich gemacht – das war der Vorname des Künstlers. Die Künstler zeichneten früher nur mit ihrem Vornamen. Die beiden Türringe sind ganz bedeutende Zeugnisse, sie wurden sonst eigentlich nur in Domkirchen angebracht wie in Paderborn, Hildesheim, Verona und Novgorod. So wird die Bedeutung der Freckenhorster Kirche hervorgehoben. Geschaffen sind sie vom ältesten Erzgießer Westfalens, dem zweitältesten von Deutschland. Das ist natürlich eine große Besonderheit; in dieser frühen Zeit war der Bronzeguss in dieser Art besonders schwierig und deshalb auch ganz besonders wertvoll.

Das kostbarste Ausstellungsstück ist das Evangeliar der Emma aus dem 10. Jahrhundert. Es ist die älteste Handschrift in Freckenhorster Besitz. Aus den Evangeliaren (es sind noch weitere sind zu sehen) lasen die Stiftsdamen die biblischen Texte. Evangeliare wurden von Hand in Münster von Mönchen geschrieben. Ihre Schreibstube befand sich im Dom von Münster über dem Paradies, also über Eingangshalle.
Das Format des Evangeliars ist ein Quartformat. Es ist um 1000 mit der Hand auf Pergament geschrieben worden. Es enthält 4 Evangelientexte.  Der Beginn eines jeden Evangeliums ist gekennzeichnet auf der einen Seite durch eine mehrfarbige Zeichnung des Evangelisten, die andere Seite nimmt fast ganz eine Initiale, ein Schmuckbuchstabe ein, durch den der erste Buchstabe des Evangeliums herausgehoben wird.  Auf der allerersten Seite des Evangeliars befindet sich ein Widmungsgedicht in lateinischer Sprache. Die jeweils ersten Buchstaben voneinander folgenden Zeilen von oben nach unten gelesen, ergeben den Namen der Aufraggeberin, EMMA.

  • Eine Ampel-Leuchte, ebenfalls gestiftet vom Fürstbischof von Münster Christoph Bernhard von Galen.
  • Der Hl. Bonifatius wurde oft wie in dieser wunderbaren vollplastischen Silberfigur aus dem 17. Jahrhundert mit dem durchstochenen Buch. dargestellt. Bonifatius wurde am 5. Juni 754 in Dockum in Friesland ermordet. Zur Abwehr soll er sich das Evangelienbuch vorgehalten haben, so dass er durch das Buch mit dem Schwert erstochen wurde. Seinen ebenfalls in der Stiftskammer aufbewahrten Stab soll er den Großeltern des Everword übergeben haben. Diese Szene ist auch auf einem Bild in der Stiftskammer dargestellt.
  • Die Engelleuchter sind Warendorfer Silberschmiedearbeiten von dem Silberschmied Bartholomäus Kernitz. Sie sind ungewöhnliche, seltene barocke vollplastische Figuren. Auf der Flügelrückseite befinden sich die Anfangsbuchstaben des Namens von Hedwig Christina von Korff und ihr Amt AZF, Äbtissin zu Freckenhorst, eingraviert.
  • Die Monstranz stand in der Nacht eines Einbruchs 1947 im Tabernakel. Vermutlich hatten die Einbrecher es auf die beiden großen Brillanten abgesehen, die sich in der Lunula (das ist das Gefäß, welches die Hostie aufnimmt) abgesehen. Bei richtigem Licht und Blickwinkel haben sie ein unwahrscheinliches Feuer. Ursprünglich mit Diamanten verziert, wurden sie, trotz des Materialverlustes, zu Brillanten nachgeschliffen, um ihnen mehr Glanz zu verleihen. Es ist eine Kölner Arbeit von 1681, hergestellt aus Silber und danach vergoldet. Dargestellt sind Bonifatius und Thiatildis und oben die Muttergottes. Das Kreuzchen, das davorhängt, ist wahrscheinlich das Abzeichen der Freckehorster Stiftsdamen.
  • Die zwei Kelche sind aus dem Nachlass von Dr. Apolinaris Sammelmann, dem ersten Dechanten der Stiftskirche nach der Auflösung des Stiftes, 1811.
  • Die Versehkreuze sind wieder Kölner Arbeiten. Versehkreuze wurden früher für die Krankensalbung genutzt. In ihnen konnten die Kommunion und die Öle zum Salben mitgeführt werden.
  • Die zwei Weihwasserbecken sind zum einen von etwa 1340, das zweite ist von 1500.
  • Die Monstranz ist kupfervergoldet, also vom Material her gar nicht besonders wertvoll. Unten sieht man schon etwas Kupfer durchscheinen. Unten an der Lunula, dem Hostienbehälter, ist eine Brillantbrosche, die von einer Freckehorster Fabrikantenwitwe gestiftet wurde. Sie ist lediglich angeheftet, nicht eingearbeitet. Die Monstranz zeigt oben Thiatildis mit dem Freckenhorster Kreuz. Unten in dem Fuß steht auf Niederdeutsch: „Margarete von Laar hat dies getuet.“
  • Der älteste Kelch der Stiftskammer ist von 1340. Das Ziborium ist aus Münster, etwa um 1700.
  • Die Paramente, von denen eines in der Stiftskammer gezeigt wird, sind in einem begehbaren Depot untergebracht. Im Bestand der Stiftskammer sind 20 bis 25 zum Teil noch sehr gut erhaltene, sehr wertvolle Stücke aus der Barockzeit.
  • Ein Bild zeigt die Erbauerin des Klosters. Das Original befindet sich im Schloss. Es zeigt Clara Franziska Antonietta von Westerholt, die die neue Abtei gebaut. hat. Von daher ist es heute wieder im Besitz der Familie von Westerholt, und somit passt auch das Familienwappen im Giebel, wieder, obwohl die Besitzverhältnisse sich im Laufe der Geschichte mehrmals änderten.
  • Das in der Stiftskammer ausgestellte „Goldene Buch“ (Codex aureus) von Freckenhorst ist nicht das Original. Bei der Enteignung 1811 hatte man zunächst auch den Kirchenschatz enteignet. Die kostbarsten Gegenstände, das Goldene Buch und die Freckehorster Heberolle als bedeutendstes Sprachdenkmal Westfalens, hat der Staat behalten. Der Deckel ist heute im Landesmuseum und die Schrift selber ist im Staatsarchiv.
  • Die große Silbergarnitur, bestehend aus einem 1,25 m hohen massiven Silberkreuz und 6 großartigen, silbernen Kerzenleuchtern, stand an Festtagen, mit roten Rosen geschmückt, auf dem Hochaltar. Hergestellt wurde sie von dem Warendorfer Silberschmiedemeister, Bartholomäus Kernitz, einem der berühmtesten Silberschmiede der Zeit in Westfalen. Seine Familie kam aus Mitteldeutschland nach Warendorf. Die Silbergarnitur ist die berühmteste und wertvollste Stiftung von Altargeräten, die wir hier in Freckenhorst haben. Sie stammt von der Äbtissin Hedwig Christina Gertrud von Korff zu Sutthausen, der ersten Äbtissin aus niederem Adel hier in Freckenhorst. Gewählt wurde sie 1688. Bis 1721 war sie hier Äbtissin und sie stiftete mehrere große Altargeräte. Für viele Generationen von Gläubigen war es sehr wichtig, die Kirche, das Haus Gottes, auf schönste Weise auszugestalten. Zur Ehre Gottes und zum Schmuck seines Hauses war immer nur das Beste und auch das teuerste gut genug.
  • Das alte Hungertuch ist von 1628. Ein plattdeutscher Begriff für das Hungertuch ist „Schmachtlappen“, das lateinisches Wort dafür: VELUM, Schleier. Es wurde von den Stiftsdamen hergestellt, und zwar im technisch schwierigsten Stickverfahren, der Filetstickerei. In die Ecken stickten die Damen ihre Wappen. Auf dem Tuch sind zwei Restaurierungen 1848 und nochmals 1974 festgehalten worden, die letzte in Krefeld mit einem Kostenaufwand von 140.000 DM. Die Kahlstellen in dem Hungertuch rühren daher, dass aus der Sicht der Experten bei den vormaligen Restaurierungen Garne verwendet worden waren, die sich nicht mit den ursprünglich verarbeiteten Garnen vertrugen. Sie wurden entsprechend entfernt. Dieses Hungertuch, mit seinen Passionsbildern wurde 6 Wochen vor Ostern, am Beginn der Fastenzeit vor den Altar gehängt. Die Gläubigen sollten durch die bildhafte Darstellung des Leidens Christi sich in das Leiden betend vertiefen und erkennen, dass es ein stellvertretendes Leiden war, und sie sollten auf diese Weise in ein persönliches und intensiveres Verhältnis zum Herrgott treten. In der Osternacht wurde dieser Schleier weggenommen, denn dann konnte man in Freude und in großem, festlichen Glanz die Auferstehung feiern.

Das heute noch in jedem zweiten Jahr während der Fastenzeit genutzte Hungertuch ist 300 Jahre jünger und nach Meinung des Direktors des Zittauer Museum´s für Hungertücher ein wunderbares Stück. Weitere Hungertücher in der Nähe befinden sich in Telgte, in Everswinkel und in Vreden, das sind die bekanntesten hier in Westfalen.

Das im südlichen Seitenschiff der Stiftskirche hängende Relief zeigt den heiligen Eligius, Bischof von Nuyon in Frankreich. Neben vielen anderen Patronaten ist er der Schutzheilige der Goldschmiede. Seit dem 17. Jahrhundert ist er auch Schutzpatron der Pferde. Eine Kopie dieses Reliefs hängt im Warendorfer Finanzamt. Dieses Bild haben französische Geistliche, die während der französischen Revolution in Freckenhorst Asyl gefunden hatten, aus Dankbarkeit gestiftet.

Die Orgel stand vor der Renovierung (1955-1963) an der Westseite, wo jetzt die Arkaden frei zu sehen sind.  Da liegt die sogenannte Kaiserloge. Wenn der Kaiser oder Patronat zu Besuch kam, hatte er dort oben seinen Platz und nahm von dort aus am Gottesdienst teil.

Diese Kirche ist gebaut in Form eines lateinischen Kreuzes. Hier ist das Kraftfeld, wo der Altar steht, von dem sind alle anderen Maße abgemessen. Nach Osten erstreckt sich der Chorraum der Kirche. Das hintere Stück des Chorraumes wurde 40 Jahre nach dem Entstehen des vorderen Bereichs angebaut und hatte früher einen halbrunden Abschluss, eine Apsis. Nach Süden ist das südliche Querhaus. Nach Westen ist das Langhaus der Kirche, welches dreimal die Länge der Vierung hat. Auf ein Joch des Mittelschiffes kommen jeweils zwei Joche des Seitenschiffes, die wieder halb so hoch sind, wie die des Mittelschiffes. Diese Einteilung erklärt die Harmonie, die dieser Raum ausströmt- Alle Maße gehen von der Vierung, dem Herzstück der Kirche aus.

Die drei Kronleuchter der Kirche stammen aus der Synagoge der spanischen Juden in Amsterdam und sind 1852 hier nach Freckenhorst gekommen.

Eine größere Veränderung an der Kirche war der Einbau des spätgotischen Kreuzrippengewölbes 1498. Das Mittelschiff war vorher möglicherweise mit einer flachen Holzdecke abgeschlossen. Der Umbau erfolgte durch die Äbtissin Maria von Tecklenburg-Rheda. Das Fürstenhaus gibt es heute noch, unter dem Namen Bentheim-Tecklenburg. Sie stiftete auch die drei Sakramentshäuschen, die sich in der Stiftskirche befinden.

Die letzte Neuerung in der Entwicklung der Kirche ist der aus schneeweißem, afrikanischem Marmor gefertigte Altar, der nun in der Vierung steht. Seine Gestaltung ist das letzte Werk von Heinz-Gerd Bücker aus Vellern, welches er aber schon zusammen mit seinem Sohne gemacht hat.  In der Glaskapsel am Fuß des Altars sind Reliquien des hl. Bonifatius, des Patrons dieser Kirche, eingelassen. Sie wurden der Kirche vom Bischof von Fulda zur Verfügung gestellt hat. Da Freckenhorst die älteste Bonifatius-Kirche überhaupt ist, wurde das als Ausnahme noch einmal möglich gemacht.

Das im Chor hängende Kreuz ist auch ein Werk von Heinz-Gerd Bücker aus Vellern. Es besteht aus Mooreiche, welche mit Silber beschlagen wurde.

An der Wand hängt ein Epitaph der Äbtissin von Korff-Sutthausen. In der Stiftskammer sind einige ihrer kostbaren Geschenke, die sie der Kirche gemacht hat, ausgestellt.  Dieses Epitaph zeigt in eindrucksvoller Weise die Wappen ihrer 14 Ahnen. Um Äbtissin werden zu können musste sie ihre hochadelige Abstammung durch Vorfahren nachweisen können. Diese Voraussetzung galt bis ins späte Mittelalter. F. Rose: Hochadel heißt ja, die hatten für den Bezirk keinen mehr über sich. Das konnten Grafen sein, das konnten Fürsten sein, oder was, je nachdem wo sie waren und zum Sagen keinen mehr drüber hatten.

Der siebenarmige Leuchter aus Zinnguss stammt aus der Zeit um 1450.

Die im Boden des Chores eingelassene Metallschiene deutet an, dass hier früher die halbrunde Apsis begann.

Die Arkaden im Westwerk sind erst bei der letzten großen Renovierung wiederentdeckt und freigelegt worden. Sie waren, ebenso wie die Arkaden in den Seitenschiffen, zugemauert und mit Putz und Gemälden abgedeckt. Die Kunsthistoriker waren bis dahin der Meinung, die westfälischen romanischen Kirchen seien ganz nüchtern und einfach ausgestattet gewesen. Die arkadengeschmückte Stiftkirche rückt dadurch näher an die französischen romanischen Kirchen heran.

1949 gab es einen Einbruch in der Stiftskirche. Der rechte der beiden Tabernakeltürme, in dem damals das Freckenhorster Kreuz aufbewahrt wurde, war schon aufgeschweißt worden. Das Kreuz war schon zum Mitnehmen bereitgelegt. Beim Versuch den linken Tabernakel  zu öffnen sind die Täter aber wohl gestört worden und haben dann fluchtartig  die Kirche verlassen. Das Kreuz haben sie liegen gelassen. In der Nacht wurde damals die kostbare Monstranz, die jetzt in der Stiftskammer zu sehen ist, ausnahmsweise in dem Tabernakel aufbewahrt. Eigentlich war sie immer im Tresor untergebracht und wurde nur zu Hochfesten herausgenommen. Die Schatzkammer befand sich in einem der Türme.

Oben auf der südlichen Seite des Chores war die Empore der Äbtissin. Die ursprünglich große Öffnung wurde bei der Restaurierung der Kirche durch drei kleine Öffnungen ersetzt. Die Nutzung hat auch heute noch die gräfliche Familie von Westerholt. Sie wird aber praktisch nicht mehr genutzt, da die Teilnahme am Gottesdienst durch die Verlegung des Altares sich nicht mehr wie früher gestaltet.

Der Hauptaltar stand früher am der Ostwand des Chores. Dann rückte er unter die Stelle, an der jetzt das Kreuz hängt. Der ursprüngliche Bücker-Altar steht jetzt draußen nördlich der Kirche.

Die Gottesdienste in Freckenhorst wurden besonders feierlich abgehalten:  F. Rose: „Man sagte vielfach: Nach dem Dom in Münster ist in Freckenhorst der feierlichste Gottesdienst“. Es gibt noch alte Bilder, die zeigen, dass das Pontifikalamt mit Riesenaufwand und großer Pracht gefeiert wurde.

Der Altaraufsatz im südlichen Querschiff der Stiftskirche (Annemarie Enninghorst)

An der südlichen Wand des südlichen Querschiffes befindet sich der barocke Altaraufsatz des ehemaligen Hochaltares, der sich bis zur großen Renovierung der Stiftskirche in der Zeit von 1956 -1962 an der Ostwand des Hochchores zwischen den beiden gotischen Tabernakeltürmen  befand.

Die lateinische Inschrift im unteren Feld besagt, dass dieser Altaraufsatz im Jahre 1646 fertig gestellt wurde; es war das 1. Jahr der Amtszeit der jungen Äbtissin Claudia Seraphia von Wolkenstein-Rodeneck (1645 -1688). Geschaffen wurde das Kunstwerk von Wilhelm Spannagel aus Münster. Die Stiftsdame Maria von Plettenberg (1599 – 18. 10. 1636) hatte in ihrem Testament 1000 Taler gestiftet für ihre „Memoire“; nach Julius Schwieters ließen die Testamentsvollstrecker im Jahre 1646 diesen Altaraufsatz gestalten.

Seitlich der Inschriftentafel befinden sich 2 leere Nischen; in ihnen befanden sich 2 trauernde Engel, von denen noch einer im Depot vorhanden ist.

Nach Gezai Jaszai besteht das Kunstwerk aus schwarzem belgischen Marmor, gelblichem Alabaster und Baumberger Sandstein. Oberhalb der Inschriftentafel befindet sich ein Stockwerk, das durch 6 schwarze Marmorsäulen gegliedert ist. In der Mitte befindet sich ein Reliefbild, das die Geburt Jesu Christ zeigt. In den seitlichen Nischen befinden sich die Skulpturen Bonifatius und Willibrord. Durch diese beiden Figuren soll die Beziehung zu Fulda und zu Utrecht hergestellt werden. Im oberen Teil schließt eine mit Pflanzenornamenten und mit Engelköpfen verzierte Zone das Bild ab.

Oberhalb dieses Stockwerks ist die Darstellung der Verkündigung der Geburt Jesu durch den Erzengel Gabriel an Maria zu sehen. Rechts und links flankieren  die Statuen des hl. Paulus und Petrus; mit ihnen soll die Verbindung des Stiftes  zu Münster und Köln (Münster gehört zur Kirchenprovinz Köln) aufgezeigt werden.

Den Abschluss des Altaraufsatzes bildet ein Dreieck, das das Wappen der Stifterin, Maria von Plettenberg, zeigt. Über dem Giebeldreieck befindet sich die Erdkugel mit einem metallenen Kreuz. Dieses Kreuz ist neueren Datums; ursprünglich befand sich ein steinernes Kreuz mit den Statuen der Maria und des Johannes unter dem Kreuz. Theologisch sollte so zum Ausdruck gebracht werden, dass in der Eucharistie Menschwerdung und Erlösungstod Jesu Christi gegenwärtig werden. Ein weiterer Hinweis ist darin zu sehen, dass es im Stift Freckenhorst eine lange Tradition der Kreuzverehrung gegeben hat.

Hinter den roten Türen im Chorraum befinden sich zwei Kammern. In der nördlichen befindet sich ein Panzerschrank, in dem der Silberschatz der Kirche aufbewahrt wurde. In der südlichen bewahrte man die kostbaren, alten Messgewänder auf. Außerdem gibt es darin eine Tür mit einem kleinen, geheimen Gang. Dieser führt durch die dicke Mauer und nach außen zum ehemaligen Nonnenchor. Er wurde wahrscheinlich genutzt, um den Nonnen die hl. Kommunion zu bringen. Man  kann die Türöffnung in der Wand noch erkennen. Die Löwenköpfe auf den Türen sind Kopien, die Originale werden in der Stiftskammer aufbewahrt. Auch früher schon wurde auf Sicherheit geachtet. So hat eine der Türen 4 Schlösser. Einmal drei und ein weiteres, ein Loch aus dem ein Strick herausragte. Wenn man daran zog, konnte man ein Balken, der die Tür von innen verriegelte anheben. Von innen ist die Tür vollständig mit Eisen beschlagen.

Im südlichen Querschiff befand sich das Nonnenchor. Es war eine aus Holz gebaute Empore, die auch einen eigenen Altar besaß.  Die durchgeschnittene Säule stammt noch daher. Auf der Holzempore fanden die Stiftsdamen ihren Platz. Die Umrisse einer Zugangstür, durch die es in den Kapitelsaal des Klosters ging, ist noch erkenntlich. Das kleine, noch erhaltene viereckige Loch, diente, so nimmt man an, den Messdienern zum Abstellen ihre Messkännchen.

Ebenfalls  im südlichen Querschiff befindet sich die Grabstätte der hl. Thiatildis, der ersten Äbtissin von Freckenhorst, und der Thiatildisbrunnen.  Eine alte  Legende besagt, dass Brunnen und Grab jedes Jahr einen Hahnenschritt aufeinander zu rücken. Wenn sie zusammenstoßen ist das Ende der Welt da.    Der von 1669 datierte Schrein ist ein Geschenk des Fürstbischof Bernhard von Galen. F. Rose: „Man verstand auch damals schon zu feiern. Als die Gebeine erhoben wurden hier aus dem Grab, hat der Fürstbischof die einzelnen Gebeine aus dem Grab genommen und verschlossen. Und zu der Feier hatte er die Domkapitel von Münster, Osnabrück, von Minden, von Hildesheim und von Paderborn verpflichtet, die mussten zu dieser Feier erscheinen, weil er ja auch der Fürstbischof war. Und dann habe sich darunter ein „türkischer Gesandter“ gemogelt, der der sich später als Hochstapler herausstellte. Wie die Geschichte aber ausgelaufen ist, das weiß ich nicht. Das hat es früher auch schon gegeben, dass man viele Fälle nicht aufgeklärt hat.“

Das Bild an der Westseite des südlichen Querschiffs stellt den heiligen Bonifatius dar. Er wird immer mit dem durchstochenen Buch dargestellt. Bonifatius wurde am 5. Juni 745 in Dockum in Friesland ermordet. Zur Abwehr soll er das Evangelienbuch vor sich gehalten haben, so dass er durch das Buch hindurch erstochen worden sei. Der heiligen Bonifatius war Erzbischof von Mainz. Er hat 9 Bistümer gegründet. F. Rose: „Man sagt, er war nicht so ein guter Theologe, aber ein guter Organisator“. 100 Jahre nach seinem Tod wurde dann schon die Stiftskirche auf den Namen des hl. Bonifatius geweiht.

Der Thiatildis-Brunnen soll noch aus der ersten Kirche, die vor der Stiftskirche hier gestanden hat, stammen. Der etwa 7 m tiefe Brunnen ist noch nie ausgetrocknet- Heute wird das Wasser wieder zur Taufe eingesetzt. Wenn Kinder bei der Tauffeier sind, dürfen sie das Wasser aus dem Brunnen schöpfen. Die Taufe selber wird dann in der Taufkapelle vollzogen. Früher wurde das Wasser, welches im Gottesdienst gebraucht wurde, mittels einer Pumpe direkt in die Sakristei gepumpt.

Das Gewölbe der Kirche drückt auf die Seitenwände. An dem helleren Mauerwerk kann man noch erkennen, dass da Pfeiler eingebaut wurden, die die Seitenwände des Kirchenschiffes stützen sollen. Im nördlichen Seitenschiff sieht man es noch besser, da ist die Wand schon ganz schief. Die ganze Mauer wurde mit Beton unterfangen, damit das standfest ist, denn früher wurden nicht ganz tiefe Grundmauern gemacht. An der Petri-Kapelle waren nur etwa 50 cm tiefe Grundmauern. „Trotzdem steht die Kapelle immer noch.“

Die vorher größeren Fenster wurden bei der letzten Renovierung verkleinert. Das ist auch noch sichtbar. In gotischer Zeit waren die Fenster mit Spitzbögen versehen, in klassizistischer Zeit waren sie größer, die Umrisse sind noch zu erkennen. F. Rose:Als sie kleiner gemacht wurden, wurde auch im Stadtrat, da war Freckenhorst noch selbstständig, darüber beraten, weil die Stadt auch einen Zuschuss gab. Und da kam das dann auch auf die Tagesordnung: „Die Fenster sollen verkleinert werden, denn in der Kirche soll es heller werden“. Da ist einer aufgestanden und säch: „Wat is dat denn, dat is ja ganz wat niees. Sünst wirds doch dusterer, wenn man de Fensters kleiner mäg. Is dat in de Kirken anners?“  Die Erklärung war, dass die frühere bunte Verglasung durch klares Glas ersetzt wurde, was zu mehr Helligkeit führt.

Um 1850 war im Gespräch, die hinteren beiden Chortürme abzureißen. Die waren in so einem maroden Zustand, dass der Kirchenvorstand beschlossen hatte, die Türme abzureißen, da die Instandhaltung zu teuer war. Der damalige Dechant Schulte hat sie aber, entgegen dem Beschluss des Kirchenvorstandes, wieder restaurieren lassen. Dadurch hat Freckenhorst immer noch eine der in Norddeutschland ganz selten vorkommenden 5-türmigen Kirchen. Im Rheinland gibt es sie häufiger.

Das Westwerk der Stiftskirche ist in etwa mit dem Westwerk der Kirche in Corvey zu vergleichen. So ein Westwerk konnte nicht nur kirchlichen, sondern auch allgemeinen Zwecken dienen. So wurden z.B. im Patroklus-Dom in Soest früher Ratssitzungen der Stadt abgehalten. Dort gehörte der Turm, also das Westwerk, nicht der Kirche, sondern der Stadt Soest. Es ist nicht gekannt, ob das in Freckenhorst auch so gehalten wurde. Es ist auch nicht überliefert, dass hier ein Kaiser Patronatsherr war, trotzdem gab es aber hier eine Kaiserloge.

Die Steine, aus denen die Kirche erbaut wurde, stammen alle aus der Umgebung von Freckenhorst. Es war mal ein Geologe hier, um die Herkunft genauer zu bestimmen. Es waren Fundsteine, die an der Oberfläche lagen, da Steinbrüche hier im Flachland nicht vorhanden waren. Anders als beim Kölner Dom, wo über den Rhein aus großer Entfernung Steine herbeigeschifft werden konnten, mussten die Steine der Freckenhorster Kirche aus der Nähe beschafft werden. Der nördliche Turm des Westwerks hat ein etwas anderes Mauerwerk. Er ist 1680 eingestürzt und erst 1860 wieder aufgebaut worden. Während einer Reise des damaligen Dechant Schulte ins hl. Land wurde der Grundstein vom Bischof von Münster gelegt. Als der Dechant zurückkehrte war der Turm schon fertiggestellt. Bis dahin hatte an der Stelle ein Riesenstrebepfeiler gestanden, der dann den mittleren Turm stützte und dessen Einsturz verhinderte.

Vor dem jetzigen Hauptportal befand sich früher eine Vorhalle, ein sogenanntes Paradies, wie man es vom Dom in Münster kennt. Die genaue Lage und die Ausmaße sind durch die beiden dunklen Reihen im Pflaster angedeutet.  Das Dach dieser Vorhalle ist im Mauerwerk an den etwas helleren Steinen zu erkennen. Den Vierpass hatte man versucht wieder zu öffnen. Das Vorhaben wurde wieder aufgegeben, da man Sorge hatte, das schwere Mauerwerk könne ihn eindrücken.

Davor stand auch schon mal eine Westapsis, die durch die beiden rundlichen Steinreihen angezeigt wird. Bei den Ausgrabungen an der Stelle wurden 3 Gräber, die Gebeine enthielten, gefunden. Sie wurden in Mainz untersucht, aber es konnte nur festgestellt werden, dass es sich um 2 Erwachsene und ein Kind handelte. Sie wurden im Turm, also ganz in der Nähe ihres ursprünglichen Grabes, wieder bestattet.

Im Hauptturm befand sich über der Eingangshalle eine dreischiffige Michaelskapelle, die sogenannte Kaiserempore. Sie musste aber dem Glockenstuhl weichen, der bis oben in den Kirchturm reicht. Er wurde von Stefan Hölscher aus Beckum errichtet. Die Ausmaße der Glocken durften die des Hauptportals nicht überschreiten, da sie von innen hochgezogen werden mussten. Dabei ist eine der alten Glocken abgestürzt, nachdem eine der Ketten gerissen war. Die Aufschlagstelle war noch lange im Boden sichtbar. Die Glocken, die in Brilon gegossen worden waren. kamen am 05.12.1947 auf Tiefladern in Freckenhorst an.

Die Bronzetür des Hauptportals stammt, wie die Seitentüren, von Bücker und ist in Düsseldorf gegossen worden.
Die Bilder zeigen:

– oben Christus, umgeben von den 7 Leuchtern, dargestellt durch die Bergkristalle,
– die apokalyptischen Reiter,
– die Engel für die 4 Himmelsrichtungen,
– das Weib von der Sonne umkleidet,
– Michael, der den Drachen tötet,
– den Sturz der Verdammten
– und die Auferstehung der Seligen.

An der Stelle des heutigen Sparkassenanbaus stand früher das Haus Höckelmann. Es war noch nach alter Art, also mit einem Geflecht aus Zweigen und  Lehm gebaut.  Als es abgerissen wurde hat man viele Baumsärge gefunden. Auch unter den nur etwa 50 cm in die  Erde reichenden Grundmauern der Petrikapelle fand man sie. Es muss also auch schon vor dem Bau der Kapelle ein Begräbnisplatz dort gewesen sein. F. Rose: „Einmal waren hier zwei – wie man früher sagte – Kopfschlächter. Das waren Männer, die im Winter Hausschlachtungen machten und im Sommer bei Maurer- oder Tiefbauunternehmen arbeiteten. Unterm dem Gulli (Ecke am Rasen) fanden sie ein gemauertes Grab, das aus denselben Steinen, die auch bei der Kirche verwendet worden waren, gemauert war.  Unter der Deckplatte befand sich ein gut erhaltenes Skelett. Da meinte einer der beiden : „Jetzt legen wer erst den Kopp tüsken de Beene und dann salt sich neichstens die  Gelährten wünnern, wie kümp de Kopp blos tüsken de Beene“.

Übersetzt: Die Gelehrten sollen sich dann wundern, wie kommt der Schädel zwischen die Beine.

Die Rentei das älteste Haus von Freckenhorst. Es hat zwei neue Giebel, aber das Haus im Kern wurde etwa um 1480 errichtet.

Das Haus wurde 1788 als „massive Doppelwohnung am Kirchhof neben der Knabenschule“ (Schwieters) gebaut im Auftrag der Äbtissin Maria Franziska Luzia von Korff-Harkotten.

Möglicherweise wurden dort einige der 22 französischen Priester untergebracht, die während der französischen Revolution aus Frankreich geflohen waren und in Freckenhorst Unterkunft suchten. Das Haus trug die Nummern 196a und 196b. Spätere Bewohner waren der Schullehrer Kaspar Höner, einige Mädge, ein Schneider, Lehrerinnen und ein Sekretär namens Veringhove (evtl. ein Schreiber, der für das Stift tätig war).

Nach Lehrer Höner waren ab ca. 1870 Hauptbewohner die Mitglieder der Familie Burgholz, unter ihnen ein Drechsler mit einer Pfeifenwerkstatt und einem Laden im Haus (Eingang und Schaufenster bis 1978 an der Nordseite). 1961 wurde das Haus an die Kirchengemeinde verkauft. Danach wohnten dort Fam. Markfort (Heinrich Markfort war Organist in Westkirchen), Fam. Becker und Fam. Marberg.

Bernhard Schulte erwarb das Haus 1978 von der Kirchengemeinde Freckenhorst.

Das „Lentzsche Haus“ stand am Anfang der Everwordstraße. Es war ein schöner barocker Bau aus der Schule des berühmten Baumeisters Johann Conrad Schlaun, der in Münster das Schloss und den Erbdrostenhof gebaut hat, innen noch mit Wandmalereien versehen. Das Haus wurde in den 70-er Jahren abgerissen. In dem Neubau arbeiteten dann nacheinander die Friseure Lammers und Träbert.

In diesem Haus an der Ecke, da wohnte früher Tante Settken Frieäßn, Settken Fressmann. Die hat ungefähr 60 Jahre krank im Bett gelegen, da sie sich auf dem Marktplatz, bei Jasper das Rückgrat gebrochen. Sie hatte oben auf einem Heuwagen gesessen. Über das  Heu wurde früher, zur Befestigung, ein Wieselbaum gelegt, der mit Seilen befestigt wurde. Die wurden wohl überdreht, so dass der Baum brach und Settken auf den Marktplatz geschleudert wurde, wobei sie sich das Rückgrat brach.

Nach außen hatte sie einen Spiegel, mit dem sie von ihrem Bett aus auf die  Warendorfer Straße blicken, und so wenigstens ein bisschen noch am öffentlichen Leben teilnehmen konnte. Erinnerung Friedel Rose: „Dann weiß  ich immer noch, wenn wir als Messdiener, wenn der Bischof kam, der kam ja meistens immer am Samstag und übernachtete dann in der Dechanei, dann zogen wir hier durch. Und Roleff, weiß ich z.B., der Weihbischof, der drehte sich dann um und sagte: „Tante Settke, du solls auck en Siägen häm.“, sagte der dann so für sich, der sprach ja noch Platt auch. Und dann ging es weiter.“ “. Der sprach immer nur Platt.  Er war seht leutselig. Damals knieten die Menschen sich an der Straße noch hin, wenn er sie segnete. Er sagte dann immer: „Bliev men stoan, bruchs dich nich hinkneien“, s

Für Kinder, die sie besuchten hatte sie unter dem Bett einen großen PappKoffer. Den zog sie mit einem Handstock an den Henkeln hervor und dann bekam man einen Appel oder eine Birne und eine wundertätige Medaille geschenkt.

In ihrem Zimmer waren die Wände mit Tüll zugehängt. In einer Eckel stand ein Kreuz, welches  sie von Papst Pius XI  zu „ihrem 25-jährigen Bettjubiläum“ geschenkt bekommen hat.

Für das Krüßingsfest hat sie die Altardecken bestickt.  Das waren Stickereien für damals  8 Altäre und dann entsprechenden Kommunionbänke.

Warendorfer Straße 12 – Pumpe

Pumpe war früher ein Geschäft mit Haushaltswaren. Pumpe führte alles und jedes. Jede Schraube, jeden Nagel konnte man einzeln bekommen: „Muss es kieken, säch he dann“ (der alte Pumpe), ging in den Keller und kam mit dem gewünschten Teil wieder heraus.

 

Warendorfer Str. 37 – Graf Rickmann

Im Haus Nr. 37 der Warendorfer Straße lebte „Graf Rickmann“. Er betrieb Landwirtschaft. Das Wohngebäude war früher ein sehr schönes weißes Haus im Jugendstil. F. Rose: „Da musste ich mal hin von der Molkerei aus, um etwas zu bestellen. Dann hab ich geklingelt und da kam erst mal jemand an die Tür und fragte: Wen darf ich melden? ……“. Und dann wurde ich in Zimmer geleitet, da saß er am Frühstückstisch, für sich alleine, Zeitung in der Hand und wartete er erst ´ne ganze Weile und dann sagt er: „Mein Sohn, was führt sie zu mir?“

Erinnerung Annemarie Enninghorst: Als Kinder sind wir da manchmal gewesen, wir wohnten ja gegenüber, da bin ich ja geboren. Da ging es sehr hierarchisch zu. Er kriegte das Essen in der Diele serviert, und die Frau und die Kinder, die saßen 3 Stufen niedriger in dieser Küche, wo das Essen zubereitet wurde. Also, der hat nicht mit seinen Leuten zusammen, nicht mit seiner Familie zusammen gegessen. Und dann hatte der, das war für mich umwerfend, so kleine Deckchen, umhäkelt, unter der Kaffeetasse, das hatte ich ja zu Hause nie gesehen.“ …

Nicht belegt ist die folgende Geschichte, die ihm aber zugeschrieben wird: Ein Tippelbruder sei ihm im Hagen entgegengekommen. Graf Rickmann habe zu ihm gesagt. „Was haben Sie denn für Schuhe an, gehen sie mal auf mein Schloss und lassen sie sich ein Paar neue geben.“

 

Warendorfer Straße 61 – früher Köster

In diesem Haus befand sich für einige Zeit das Freckenhorster Krankenhaus. Dechant Schulte hat das Gebäude um 1850 gekauft. Dann ist das aber nicht lange Krankenhaus gewesen. Er hat dann an der Industriestaße eine ehemalige Bandfabrik gekauft und entsprechend zum Thiatildis-Hospital umgebaut. Das älteste Krankenhaus, um 1220, war ein Spital am weißen Kreuz. Daher gibt es heute noch die Straßenbezeichnung Spital.

Hier befand sich dann eine Gärtnerei Friehe, danach die bekanntere Gärtnerei Köster. Nach der Auflösung dieser Gärtnerei war dort eine Filiale der Volksbank untergebracht.

 

Warendorfer Straße – Richtung Sendker

An diesem Teil der Warendorfer Straße befanden sich früher viele Kneipen:

Uhlenbrock (Warendorfer Str. 63 a,b,c), Schwerbrock, etwas weiter Niemerg, Heuer und weiter hinten  die Bahnhofskneipe, alles nur auf diesem Stück hier. F. Rose: „Ich war ja hier der Vorsitzende oder Abteilungsleiter von der CAJ. Da machten die abends  gerne immer so ein Städtespiel, und da musste der eine Teil den anderen suchen. Und wenn man die nicht fand, dann saßen die in der Bahnhofskneipe und tranken sich da ein Bier, obschon sie noch gar nicht durften.“

Hier gab es früher auch einen Schuhladen, Preckel, die hatten Mercedes-Schuhe.

Die Gaststätte Niemerg hat auch mal gebrannt, danach hat sie eine neue Front bekommen. Zu Niemerg ging die Freckenhorster Mittelschicht. Stifte, wie z.B. Maurerlehrlinge oder andere, waren da nicht gern gesehen. Da wurde schon bald gesagt: „Häs wuol to viel Geld – wie kannst du denn hier in die Kneipe goan“.

Im Haus Nr. 62 war die Metzgerei Gertheinrich.  Dieses Haus war einer der sogenannten Dekanatshöfe, die sich ähneln und alle diesen breiten Giebel haben, von denen es in Freckenhorst früher vier gab.

In Haus Nr 69 – 71  wohnte Hinkerode, ein Fahrrad-, Installations- und Elektrobetrieb.

Haus Nr. 64 war die Gaststätte Heuer mit Saalbetrieb. Heuer brannte 1945 ab.

Heuer hatten auch eine Waage. Dort wurden die Schweine der Bauern angeliefert, gewogen, wahrscheinlich auch bewertet, und der Preis festgelegt und abgerechnet. Von dort wurden die Tiere dann an die einzelnen Metzgereien verteilt, da früher fast jeder Metzger auch schlachtete, solange dies erlaubt war.

Im Haus Nr. 66 wohnte früher der Architekt Laubrock.

Im Haus Nr. 85 wohnte der Ortgruppenleiter der NSDAP, Bücker. „Man sagte ja immer, die Frau hatte mehr das Sagen, der wär gar nicht so übel gewesen“

Es gab ein Verbrechen auf dem Hof Iserninke, heute Tegelkämper. Von der Familie Iserninke wurden 3 Personen, von der Familie Zohlen wurden zwei Erwachsene und zwei Kinder umgebracht Das geschah im Mai 1945, abends gegen 9 Uhr, als es noch hell war. Die junge Frau, die das Gemetzel überlebt hat, ist im Haus Nr. 85 zur Aussage über die Morde gewesen. Während ihrer Aussage erkannte sie die Täter, die draußen vorbeigingen, wieder. Die Polizei, die ja damals nicht einmal Waffen hatte, konnte aber während der Besatzungszeit selber nichts unternehmen. F. Rose: „Ich kann mich noch erinnern, wie die 7 Särge da auf dem Kirchplatz standen.“

In der Nachkriegszeit gab es auf dem Kirchturm eine Turmwache. Die Bauern hatten auf ihren Dächern eine Lampe. Wenn es einen Überfall gab wurde die Lampe angezündet. Vom Turm aus konnte die Wache dann sehen, wo der Überfall war, und die Besatzungsmächte informieren. Am Telefon meldeten sie sich mit: “ Hier Turmwache Freckenhorst, hier Turmwache Freckenhorst“.

Später wohnte ein Polsterer in dem Haus, Max Ecke, ein Flüchtling. Danach war da eine Filiale von dem Lebensmittelgeschäft Bröckelmann. Da bediente ein Fräulein Berkemeier.

Der Name Weingarten bezieht sich nicht auf das Getränk Wein, sondern darauf, dass dieses Gebiet zum Besitz derer von Wiengarten, oder Weingarten, gehörte. Deren Rittersitz war an der Stelle des Dechaneihof St. Marien. Die Warendorfer Straße verlief damals durch die kleine Hagengasse, also um den Rittersitz herum. Dieser war bis etwa 1967 Wohnsitz des Dechanten von Freckenhorst. Dechant Strübbe hat da noch gewohnt. Die Dechanei war rundherum von Wasser umgeben. Leider wurde sie abgebrochen.

Hier war früher Bauschreiner Brunnert, davor hießen die Hennmann.

Und das war früher das Pesthaus, von Freckenhorst. Dieses lag immer am Rand des Ortes, da man bei den Pestkranken immer Angst vor Ansteckung hatte Und da ging dann die Straße nach Warendorf her. Die Verkehrslage änderte sich, als Sendker da gebaut hat. Zitat F.R.:  Aber, jedenfalls, da wohnten ja dann nachher Stockfisch, Truis Stockfisch, Winnemöller hießen die nachher. Da gibt es ja immer diese schöne Anekdote. Der alte Winnemöller musste wohl nicht so ganz gerne arbeiten. Er fragte immer seine Frau Truis: „Truis, wie viel Geld häv wi noch? Ja, fiv Mark noch. Ja, dann brauk ik ja van Dage noch nich arbeien.

 

Dann hat Sendker ja auf dieser Seite, Am Weingarten Nr. 12, das Kesselhaus gebaut, das schon nach den Vorstellungen von Hendirk Sendker gebaut wurde. Hendirk Sendker war recht berühmt als Innenarchitekt, er einige Jahre in den USA tätig. Er hat an der Innenausstattung des Empire State Building  in New York mitgewirkt. Er hat es sogar die Titelseite von amerikanischen Illustrierten geschafft. Es gibt da noch die schöne Anekdote: Als Hendirk aus Amerika zurückkam, wollte er sich als Nachbar bei Dechant Lütten, der damals in der Dechanei wohnte, vorstellen. Er wär der Sendker, er wär jetzt wieder da aus USA, der hieß ja Heinrich Theodor, er sollte ihn Hendirk nennen. Da hätte Lütten dann gesagt. Hätt ich wuohl dacht, wat is dat denn fürn bunten Vuogel. Hendirk Sendker war für Freckenhorst sehr extravagant gekleidet, z.B. trug er blaue Anzüge mit knallig gelben Krawatten.

Die Schreinerei Sendker (Kunsttischlerei/Inhaber Theodor-Hermann Sendker – „Modelltischlerei und Möbelfabrik Theodor Sendker & Comp“), an der Warendorfer Straße 84 beschäftigt sechs Mitarbeiter. Es wird ein zweigeschossiges Lagergebäude gebaut (später als Werkstatt bezeichnet). Ein Kesselhaus wird errichtet, sodass alle Maschinen mit Dampfkraft betrieben werden können. Damit sind die technischen Möglichkeiten geschaffen, eine Möbelfabrikation größeren Umfangs aufzunehmen. –Frecvkemhorst kommentierte Datensammlung, H-J- Kraneburg

Freckenhorster kommentierte Datensammlung (Teil I – 1949)

  1. Juli oder 22. Juli 1899: Die Eisenbahnlinie Neubeckum – Freckenhorst – Warendorf wird abschnittsweise freigegeben. Zunächst die Teilstrecke Ennigerloh – Freckenhorst. Der Bahnhof wird eröffnet.
  2. April 1901: Die Bahnstrecke der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) von Warendorf-Freckenhorst-Ennigerloh-Neubeckum wird komplett in Betrieb genommen. Der Bahnhof Freckenhorst wird eingeweiht, der erste „Pängelanton“ fährt von Freckenhorst nach Warendorf. Ursprünglich sollte der Schienenverlauf nicht die Chaussee nach Warendorf kreuzen, sondern südlich der Straße verlaufen. Bei Beermann war der Gleisweg schon durch Holzpfähle markiert. Dagegen wehren sich die Grundeigentümer aber erfolgreich.

Es gab früher eine Bahnlinie der Westfälischen Landeseisenbahn von Warendorf über Westkirchen, Finkenberg, Ennigerloh, Kalköfen nach Neubeckum mit einem Haltepunkt in Freckenhorst.  Die Strecke wurde 1901 eröffnet und hat etwa 50 Jahre bestanden Der ehemalige Bahnhof von Freckenhorst stand etwa da, wo sich jetzt der Pielepoggen-Brunnen befindet. Auf dem Bahnhofsgelände war er zweigleisig, ansonsten war die Strecke eingleisig. Das zweite Gleis diente auch als Abstellgleis. Die Fahrt nach Warendorf dauerte 7 Minuten und kostete 20 Pfennig.

In der Nähe des Bahnhofs stand ein mit Schranken gesicherter Übergang, der praktisch nicht genutzt wurde, weil niemand dort wohnte. Er war nah am Bahnhof gebaut worden, weil das kostengünstiger war, als ihn an der Warendorfer Straße zu bauen, denn dort hätte man noch ein Schrankenwärterhäuschen bauen müssen. Die Bahngleise führten am weißen Kreuz über die Warendorfer Straße. Die Kurve war berüchtigt, weil viele Autofahrer dort verunglückt sind – die Kurve konnte wegen der Gleise nicht schräg ausgebaut werden.

Als der Personenverkehr eingestellt wurde, konnte man hier in Freckenhorst noch Frachtgut verschicken oder auch empfangen. Das kam allerdings nicht mit dem Zug, sondern wurde mit Lastwagen transportiert. Es gab auch noch die Möglichkeit Fahrkarten zu lösen. F. Rose: „Damals fuhren wir mit der CAJ nach Österreich mit dem Zug. Da denk´ ich, was willst Du nach Warendorf laufen, um die Karte zu kaufen, hier verkaufen die ja auch Fahrkarten. Für Jugendpflegefahrten musste man einen Antrag stellen, um einen Zuschuss vom Staat zu bekommen. Also sage ich zu Fräulein Sommer, die hinter dem Tresen saß: „Ich hätte gern einen Antrag auf Zuschuss für Jugendpflegefahrten“. Antwort: „Kenn ich nicht, ich kenn nur Arbeiter-Rückfahrkarte“

Am Bahnhof befand sich ein schönes Toilettenhäuschen, das mit Silolack schwarz gestrichen war. An dem Häuschen stand ganz früher mal der Spruch: „Bevor man die Abortanlage verlässt, beliebe man seine Kleider zu ordnen.“

Vorne war eine Art Graben, der im Krieg als Bunker zum Schutz vor Tieffliegerangriffen diente. Einmal wurde ein Zug am Weißen Kreuz beschossen. wobei eine Frau aus Ahlen ums Leben kam. Fr. Rose: Ich weiß noch, dass danach in dem Zug große Löcher waren, und der Zug hat kurz hinter dem weißen Kreuz auf dem Pattkamp gehalten.

Die Figur an der Straße nach Warendorf stellt den heiligen Nepomuk dar. Der Heilige heißt eigentlich Johannes, wird aber nach seinem Geburtsort Nepomuk benannt. Früher hat er auf der anderen Straßenseite gestanden. Nepomuk ist der Brückenheilige, der immer am Wasser, bzw. an Brücken steht. Der König von Böhmen und Mähren soll ihn aufgefordert haben das Beichtgeheimnis zu brechen,um etwas über die Beichte seiner Frau zu erfahren. Nepomuk blieb standhaft und wurde dann in der Moldau ertränkt.

Der Name der Straße „An der Wöste“, kommt daher, dass dort eine große Kuhle war, die Wöste genannt wurde. Sie war ziemlich lang, so dass man auf ihr im Winter sehr gut Schlittschuh laufen konnte. An ihr verlief ein Pättken, das gerne aus dem Bereich der Feidiekstraße als Abkürzung zum Bahnhof genommen wurde.

Die Villa Kreimer wurde von einem Bruder des Webereibesitzers Theodor Kreimer gebaut. Sie ist im Stil des Neobarock erbaut und steht nicht unter Denkmalschutz.

Nach Kriegsende waren in dem Gebäude amerikanische Offiziere untergebracht. Das bezeugen heute noch ein Brandfleck auf einem Klavier, der sich von einer abgelegten Zigarette in das Holz brannte, und die fehlenden, nämlich  gestohlenen Klavierleuchter. (Jochen Hoeps)

Auf diesem Gelände lag ursprünglich das Rittergut Weingarten. Danach war es die Dechanei und heute ist es das Seniorenwohnheim Dechaneihof St. Marien.

In einem riesigen Garten, umgeben von einer mit Wasser gefüllten Gräfte, lag die Dechanei. In der Gräfte lag noch einmal eine Insel, zu der man mit einem kleinen Kahn fahren konnte. Der heutige Teich hat mit der Gräfte nichts zu tun. Diese hatte man vor dem Abbruch der Dechanei schon mit Erde, die extra angeliefert wurde, zugeschüttet. Wohl um den Protesten gegen den Abbruch, die in Freckenhorst gab,  vorzubeugen.

In der Dechanei wurden damals noch Kühe und Hühner gehalten.

Auf dem Dach der Dechanei befand sich ein kleiner Glockenstuhl mit einer kleinen Glocke. Diese wurde geläutet, wenn z.B. der Bischof kam, oder wenn die Kinder nach der Erstkommunion hier in der Dechanei ihre Urkunde in Empfang nahmen. Oben war ein Saal, oder größerer Raum. Eine ganz wunderbare, breite Treppe führte da hoch.

In der Dechanei wohnten dann der Pfarrdechant und der Kaplan. Der letzte Dechant der sie bewohnt hat, war Dechant Strübbe. Dechant Strübbe hat einmal gesagt, dass das Abreißen der Dechanei einer seine 2 größten Fehler gewesen sei.

Der zweite, der Kapitels-Dechant wohnte am Markt, wo später Jasper war.

Eine vom Heimatverein angebrachte Tafel hat  insofern Seltenheitswert, weil in der Inschrift ein Schreibfehler ist. Es ist erst nach der Fertigstellung der Tafel bemerkt worden, dass am Ende des Wortes Dechant ein d steht

Erinnerung Friedel Rose: „Wir mussten hier einmal das Haus hüten, als der Dechant  weg. Der damalige Bischof Michael Keller besuchte die Landvolkshochschule. Sein Auto hatte er auf der Tenne der Dechanei abgestellt und dann haben wir uns alle mal da reingesetzt in das Auto, das mit rotem Plüsch bezogen war.  Das war dann was ganz besonderes.“

Die Immaculata, die Unbefleckte Empfängnis, stand früher im Stadtshagen an der Grenze nach Warendorf, auf der linken Seite. Wem sie ursprünglich gehörte ist unbekannt.

In Freckenhorst waren an 5 Orten verschiedene Schwesternorden tätig.

Das Marienheim im Schloss wurde von Katharinenschwestern, die aus Ostpreußen kamen, geführt. In der Landvolkshochschule arbeiteten Dominikanerinnen. Im Krankenhaus waren Mauritzschwestern.

Als für die Betreuung des Damenheimes Nonnen gesucht wurden, soll der damalige stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Flick, gesagt haben: „Dann loat us doch die Nunnen nehem die auck im Klaoster sind, dann häv wee nich so viel verscheidene Soaten.“

An Stelle des Gästehauses Niemerg lag früher der Bau- und Geräteplatz der Gebrüder Niemerg

Erinnerung Friedel Rose: . Als Dechant Krimphove gestorben war, das war 1961, sollte er eine besonders schöne Beerdigung bekommen. Der Sarg sollte, statt des damals üblichen Totenwagens auf einem Flachwagen zum Friedhof transportiert werden. Der Wagen war von einer Gruppe älterer Messdienern, die damals Schola genannt wurden, geschmückt werden. Das geschah auf dem Gelände der Firma Niemerg, denn der alte Niemerg, Jopp Niemerg, war stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Der schön geschmückte Wagen wurde von  Pferden auf den Kirchvorplatz gezogen. Alles klappte gut. Als der Sarg jedoch  auf den Wagen gestellt wurde, waren die Pferde durch nichts mehr zu bewegen, sie machten keinen einzigen Schritt vorwärts. So mussten der Weihbischf Baken und alle anderen Trauergäste warten, bis der Achtermann den alten Totenwagen geholt hatte. Da niemand mit dessen Einsatz gerechnet hatte  sah der ziemlich verboten aus, weil der nicht mehr viel benutzt wurde. So wurde der Sarg  in dem unordentlichen, ungewaschenen Totenwagen transportiert. war. Genauso habe ich es erlebt.

Das gleiche erzählt man sich von der Gottesmutter in Telgte. Als sie einmal nach Münster gebracht werden sollte, weigerten sie die Pferde zu ziehen, so dass sie in Telgte blieb.“

Die Partnerstädte Freckenhorst und Pavilly haben jeweils eine Straße nach ihrer Partnergemeinde benannt. In Pavilly ist das eine große lange Straße, in Freckenhorst nur dieses kleine Stück. Bei der Einweihung wurde der Delegation aus Pavilly noch versichert, dass sie noch ausgebaut werden würde, aber das ist niemals geschehen.

Die evangelische Pauluskirche wurde 1952  fertiggestellt.

Auch hier ist eine Gedenktafel vom Heimatverein angebracht worden. Zur Einweihung schenkte die katholische Kirchengemeinde ein Maßwerk, ein Stück von einem gotischen Fenster aus der Stiftskirche.

Die Gänsestraße nannte sich  früher Adolf-Hitler-Straße.

Das ehemalige Metro-Theater war zeitweise das modernste Theater, bzw. Kino in ganz NRW. Gebaut hat es ein Tebke Huber, der aus München kam. Der Architekt mit Namen Rüttgers kam aus Düseldorf. Tebke war wohl in Argentinien zu Geld gekommen, und baute damit hier in Freckenhorst ein Kino mit 482 Plätzen. Es war das erste Kino, in dem die ganze Bestuhlung gepolstert war, nicht nur, wie damals üblich, die Loge. Die Freckenhorster waren ganz stolz  auf das Kino. Allerdings war es höchsten zwei-, dreimal ausverkauft, was bei den vielen Vorstellungen, die gegeben wurden, nicht wundert. Sonntags morgens um 11 Uhr war Matinee, dann gab es Vorstellungen um 13 Uhr, 15 Uhr, 17 Uhr, 20 Uhr und noch die Spätvorstellung um 22.15 Uhr.  Die Preise für die Sitzplätze lagen bei 1,20 DM, 1,50 DM, 1,80 DM und für die Loge 2 DM. Erinnerung F.R.: „Ging ja auch erst drum, wie es heißen sollte, das war ja alle, t hat der Tepke ja alle mit den Nachbarn hier bekürt, wie das laufen sollte.“

Für eine kurze Zeit war hier der Sitz der Ufa Filmgesellschaft. Heinz Riech hat damals die Ufa mit  453 Kinos in 67 deutschen Städten gekauft, und die Zentrale nach Freckehorst gelegt. Er wurde zeitweise auch deutscher Kinokönig genannt.  Heinz. Riech kam gebürtig aus Ostpreußen.  Sein erstes Kino war in Wolbeck. Irgendwann erwarb er auch das Freckehorster Kino. Im Kinogebäude hat er auch gewohnt, und ist auch in Freckenhorst beerdigt worden.

Als Förderer des modernen Fünfkampfes ließ er das Gebäude zu einem Trainingszentrum für den Modernen Fünfkampf mit Schwimmbad und Trainimgsräumen umbauen. Es war international bekannt.  Erinnerung F.R.: Jedenfalls ich weiß, dass Heinerich Wichmann mal mit so einer Gesellschaft hinten in  UDSSR war, ich weiß nicht mehr in welchem Ort, jedenfalls ganz was hinten und da sprachen auch welche deutsch, so´n bisken. Ja, sie kämen aus Deutschland, ja da sagten die, da fahren  wir morgen hin. Ja wohin denn? Nach Freckenhorst. Ja, wieso dat denn. Wir sind moderne Fünfkämpfer.

In der ersten Etage war zeitweise bayrische Bierstube, die Bier aus dem Hofbräuhaus ausschenkte. 1976 befand sich ein mini-Markt in der ersten Etage.

Im Keller war später die Bar, erst von Holger betrieben, danach von Heiner Kortenjan . Als Raumteiler gab es Aquarien, F.R. „das waren die ruhigsten Gäste.“

Auf der Gänsestraße befinden sich noch typischen Handweber Häuser. Durch die kleinen Fenster an den Seiten konnten die Weber mitbekommen, was auf der Straße so los war. Das  ist auch der Grund für den versetzten Bau der Häuser.

Da wo heute Fahrrad Schmid ist war früher Ferdinant Wolf mit seiner Schmiede. Der war so ähnlich, wie Graf Rickmann. Erinnerung F. R.: „Der sagte zu seinem Sohn dann auch: „ Ferrrrdinant, das hast du gut gemacht“

In der letzten Zeit des Krieges war da eine Kittfabrik. Die Firma Diekmann stammte aus Münster und war durch Bomben zerstört worden und fertigte dann hier im ruhigen Freckenhorst.

Zitat F. Rose: „Und dann haben wir als Kinder immer, es gab ja noch  kein Knetgummi, dann mussten wir den Bediensteten, hier bei Jasper da am Markt, der hatte so Sommerbirnen. Mussten wir da nen  paar Birnen stibitzen, brachten die und dann kriegten wir nen Klumpen Kitt.“

An manchen Stellen in Freckenhorst durfte keine Wohnbebauung errichtet werden, weil dort Betriebe standen, die einen Bestandsschutz hatten. Das waren Industrie- oder Handwerksbetriebe wie z.B. an der Westkirchener Straße diev Betriebe Hellmann, Schmalbrock und der Hof Achtermann. So konnte das Holzhaus an der Straße Am Hagen erst gebaut werden, als Sendker seine Pläne aufgegeben hatte, noch weiter zu produzieren.

Im Haus Industriestr. Nr. 15 (bei Büdenbender) ist die AOK Warendorf gegründet worden.

Im Haus Industriestr. Nr. 13 wohnte zuletzt Else Althues, die sich bei den Nikoläusen sehr stark engagiert hat, mit Bruder und Schwägerin.

Im Haus Industriestr. Nr. 9, heute Kick, befand sich die Dreschmaschinenfabrik Vienenkötter.

Gartenstiege

Der nördliche Teil der Industriestraße war früher die Gartenstiege, ein Pfad, über den man zur Feidikstraße laufen konnte. An der Gartenstiege hatten viele Bürger aus Freckenhorst ihre Gärten.

Krankenhaus an der Industriestraße

Als das Krankenhaus bei Köster aufgegeben wurde, baute Dechant Schulte um 1850 das Thiatildis-Hospital. Er kaufte das Gelände von einem Warendorfer Fabrikanten, der hier eine Bandfabrik betrieb, und ließ es zu einem Krankenhaus umbauen. Prälat Birkenfeld ließ das Haus im nördlichen Teil erweitern und baute auch eine neue Kapelle.

Der neue Flügel wurde unter Dechant Strübbe gebaut.

Industriestraße – Jasper-Schwermann

Der Hof Jasper-Schwermann erstreckte sich von der Warendorfer Straße bis zur heutigen Industriestraße. Die Familie ist später nach Alverskirchen gezogen.

Frau Jasper-Schwermann war von der nationalsozialistischen Idee überzeigt und stark in der NSDAP engagiert. Wenn sie zu Fronleichnam einen Altar aufbaute, hängte sie die Hakenkreuzfahne dahinter. Eine Zeit lang war das aber auch Pflicht.

In der Zeit durfte die Kirche ihre gelb-weißen Fahnen nur aushängen, wenn auch gleichzeitig die Hakenkreuzfahne ausgehängt wurde.

Industriestraße 17

An der Industriestraße 17 wohnte Dr. Rudolf. Seine Praxis befand sich hinter dem Haus in einer Baracke.

Zur Zeit des dritten Reiches war in der Baracke der „Hitler-Kindergarten“- F. Rose: „Wir mussten als Kinder zu dem weiter entfernten Kindergarten. Da sagte ich: warum gehen wir nicht hier in den Kindergarten? Das ist ja Adolf-Hitler Kindergarten! Es wurde immer gesagt: Da beten die Kinder: „Händchen falten, Köpfchen senken, stets an Adolf Hitler denken“ .

Die Molkerei Freckenhorst war Lieferant der Milchversorgung Bochum. Die Milch wurde in 40-Liter-Kannen am Bahnhof verladen und mit dem Zug nach Bochum gebracht.  Dabei kam es, wenn es im Sommer heiß war, schon mal vor, dass die Milch auf dem Weg nach Bochum sauer wurde und vernichtet werden musste. Es gab zu der Zeit noch keine Kühltransporter, wie sie heute Standard sind.

Die Westernfelderstraße war früher die Petersiliengasse, die es in jeder Stadt gab. Sie wurde umbenannt, weil sie zum heutigen alten Friedhof auf dem Westernfeld führt. Seit der Friedhof um 1830 angelegt wurde, wird nicht mehr an der Kirche beerdigt. Man sagte früher: „Dann küm´s auf n Westernfelle“.

Der „Lalli-Patt“ ist keine offizielle Straßenbezeichnug. Die Nachbarn haben das Schild zu Ehren von Lalli Landwehr, einem Freckenhorster Original, angebracht.

KONTAKT

Freckenhorster Heimatverein e. V.
Droste-Hülshoff-Str. 7
48231 Freckenhorst

Telefon 02581 – 44761
info@heimatverein-freckenhorst.de

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